! Wenn mehrere Personen Erben sind, so entsteht eine Erbengemeinschaft !

I. Grundsätzliches

Die Erbengemeinschaft soll nach dem Willen des Gesetzgebers kein Dauerzustand sein, sondern sie ist grundsätzlich auf Auseinandersetzung angelegt. In der Erbengemeinschaft können nur alle Erben zusammen über einen Nachlassgegenstand verfügen. Rechte und Pflichten treffen grundsätzlich alle Miterben.

Der Nachlass ist eine vom übrigen Vermögen der Erben getrennte Vermögensmasse, die gesamthänderisch durch die Mitglieder der Erbengemeinschaft verwaltet wird. Will ein Gläubiger in den Nachlass hinein vollstrecken, so benötigt er einen vollstreckbaren Titel gegen alle Miterben.

Die Geschäftsführung bezüglich der Nachlassverwaltung steht grundsätzlich allen Erben gemeinschaftlich zu. Maßnahmen der ordnungsgemäßen Verwaltung können nur mit Stimmenmehrheit getroffen werden.

Allerdings kann bei unverzüglich notwendigen Maßnahmen zur Erhaltung des Nachlasses jeder Miterbe allein entscheiden, sofern die Zustimmung der Miterben nicht rechtzeitig eingeholt werden kann.

II. Die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft

Die Erbengemeinschaft soll eine Abwicklungsgemeinschaft sein, obwohl es Erbengemeinschaften gibt, die über Jahrzehnte existent sind. Dies hängt auch damit zusammen, dass es der Gesetzgeber bis zum heutigen Tage nicht geschafft hat, wirksame  Instrumentarien zur Durchsetzung des Auseinandersetzungsanspruchs bereitzustellen.

Grundsätzlich kann jeder Miterbe jederzeit die Auseinandersetzung des Nachlasses verlangen, sofern der Erblasser kein Teilungsverbot angeordnet hat. Eine derartige Anordnung kann jedoch nur zeitlich begrenzt verfügt werden.

III. Der Erbteilungsvertrag

Das Gesetz geht vorrangig davon aus, dass sich die Miterben über die Art und Weise der Teilung einigen und letztendlich einen Erbteilungsvertrag schließen.

Dieser Vertrag bedarf der notariellen Beurkundung, wenn die Auseinandersetzung Grundstücke, Eigentumswohnungen oder Erbbaurechte betrifft. Ansonsten kann der Vertrag formfrei geschlossen werden, auch wenn sich die Schriftform empfiehlt.

IV. Die Teilungsklage

Kommt allerdings keine Einigung über die Auseinandersetzung des Nachlasses zustande, kann der Anspruch auf Auseinandersetzung im Wege der Teilungsklage verfolgt werden. Hierzu ist ein Teilungsplan vorzulegen, wobei die Miterben auf Zustimmung zu der vorgesehenen Teilung verklagt werden müssen. Hierin liegt eine erhebliche Gefahr, da dem Gericht kein Ermessensspielraum zusteht und es nur antragsgemäß entscheiden kann, widrigenfalls die Klage abzuweisen ist.

Das Risiko der Klageabweisung sollte regelmäßig durch geeignete Hilfsanträge vermindert werden.

V. Abwicklung des Nachlasses

Das Gesetz macht hinsichtlich der inhaltlichen Auseinandersetzung nur wenige Vorgaben. Hiernach läuft die Abwicklung des Nachlasses grundsätzlich wie folgt ab:

 
Zunächst einmal sind alle Nachlassverbindlichkeiten zu berichtigen, wozu der Nachlass ggf. in “klingende Münze” umgesetzt werden muss.
 
 
Vorausvermächtnisse, also Vorabzuwendungen des Erblassers an einzelne Mitglieder, sind zu erfüllen.
 
 
Erst dann kann der Restnachlass unter den Miterben nach dem Verhältnis ihrer Erbteile verteilt werden, sofern keine Ausgleichsverpflichtungen zu berücksichtigen sind.
 

Diese Angaben verstehen sich als erste Information; der Einzelfall erfordert anwaltliche Beratung, da gerade die Auseinandersetzung vielfältige Fragen des weiteren Vorgehens aufwirft.