Denn es muss ein Mensch, der seine Arbeit mit Weisheit, Verstand und Geschicklichkeit getan hat, es einem anderen zum Erbe überlassen, der sich nicht darum gemüht hat. Das ist auch eitel und ein großes Unglück.

            Altes Testament: Der Prediger Salomon, Kapitel 2,21
 

? Was ist eigentlich der Pflichtteilsanspruch?  

Gerade weil man im Testament jedem beliebigen Dritten Vermögenswerte zuwenden kann, will das Gesetz für einen bestimmten Personenkreis eine wirtschaftliche Mindestbeteiligung am Nachlass sicherstellen. Das Gesetz geht davon aus, dass der Erblasser auch über seinen Tod hinaus eine Fürsorgepflicht für seine Familie hat, gleichgültig, wie er letztwillig über sein Vermögen verfügt.

Dieser Mindestanspruch wird durch das Pflichtteilsrecht gewährleistet.

Pflichtteilsberechtigt sind der Ehegatte und die Abkömmlinge sowie ggfls. die Eltern, wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind. Sonstige Personen sind nicht pflichtteilsberechtigt, also insbesondere nicht Geschwister des Erblassers.

Der Pflichtteilsberechtigte kann - anders als der Erbe - nicht über den Nachlass bestimmen. Er hat lediglich einen Anspruch auf Zahlung eines Geldbetrages.

? Wie hoch ist der pflichtteilsrechtliche Zahlungsanspruch?

Für die Höhe ist zunächst der Wert des Nachlasses des Verstorbenen maßgebend. Verbindlichkeiten und Beerdigungskosten werden abgezogen. Von diesem Wert steht dem Pflichtteilsberechtigten die Hälfte seiner Erbquote als Zahlungsanspruch gegen den oder die Erben zu.

 Beispiel:

Der verwitwete Ehemann hinterlässt zwei Kinder. Eines der Kinder hat er zu seinem Erben eingesetzt und hierdurch automatisch das weitere Kind enterbt, so dass dieses Pflichtteilsansprüche geltendmachen kann.

Der Nachlass beträgt nach Abzug aller Verbindlichkeiten 200.000,- EUR.

Ohne Testament wären die Kinder Miterben geworden zu je 1/2. Die Hälfte hiervon, also 1/4, ist deshalb die Pflichtteilsquote.

Das enterbte Kind kann daher von dem Erben 1/4 von 200.000,- EUR verlangen. Der Zahlungsanspruch gegen den Erben beträgt somit 50.000,- EUR.

Unter Umständen können auch Schenkungen, die der Erblasser zu Lebzeiten vorgenommen hat, Pflichtteilsansprüche auslösen (Pflichtteilsergänzungsansprüche).

Pflichtteilsansprüche können aber immer erst nach dem Tode des Erblassers geltendgemacht werden. Kinder können also nicht "vorab" den Pflichtteil verlangen.

? Kann der Pflichtteilsanspruch ausgeschlossen werden?

Grundsätzlich nein! Gleichgültig, wie der Erblasser testiert: der Pflichtteilsberechtigte soll nach dem Willen des Gesetzes geschützt werden.

In krassen Ausnahmefällen ist es jedoch möglich, einem Pflichtteilsberechtigten den Pflichtteil durch Testament zu entziehen, so z.B., wenn ein Kind einem Elternteil nach dem Leben trachtet oder ihn körperlich mißhandelt.